Wandern im Westen der USA - wie alles begann


Es gibt keinen schöneren Tempel, wo man die Opfer seines Dankes darbringt, als die freie Natur.

Und es gibt kein größeres Freveltum, als sich an ihr zu versündigen.

A. H. Hoffmann v. Fallersleben
 

 

Wie alles begann.

Von 1992 bis 2005 verbrachten wir regelmäßig unsere Urlaube, bis auf 2 Städtereisen nach New York City, mit dem RV (Wohnmobil), in den USA.
Vom jetzigen Standpunkt gesehen wunderschöne, aber etwas ‘japanisch’ angehauchte Rundreisen zu den touristischen Highlights der Ost- aber vor allem der Westküste und des Westens selbst. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ich nicht verstehen, daß sich einige unserer Campground-Bekanntschaften tage- ja wochenlang in einem Gebiet aufhalten – es gibt doch so viel Schönes und Interessantes zu sehen.

Im Herbst 2005, während der Planung für 2006, schwärmte Heike urplötzlich von The Wave, The Wave.

Mein erster Gedanke: ‘Wave, Welle, Wasser – surfen?? … nee, oder??’ Sie zeigte mir Bilder, die sie in einem USA-Forum fand. Wow! So etwas Spektakuläres, in dieser Art, hatte ich bis dato noch nie gesehen. Auf meine Frage, wo das Objekt der  Begierde sich befindet, meinte sie irgendwo südlich der US 89 im Vermilion Cliffs N.M., die wir schon x-mal befahren haben und als recht eintönig empfanden. Nach weiteren Recherchen im Internet fand sie heraus, daß für dieses Gebiet ein Permit (Erlaubnisschein), das vor Ort verlost wird, erforderlich ist – ob das was wird? Wir richteten also unsere Urlaubsplanung auf Wanderurlaub aus. Grand Canyon National Park, The Wave, The Rimrocks - im Grand Staircase-Escalante National Monument (GSENM) gelegen, Horseshoe Bend, Bryce Canyon National Park, Kodachrome Basin State Park, Lower Calf Creek Falls, Capitol Reef National Park und The Goosenecks State Park sollten die Ziele werden.
Etwas skeptisch war ich schon. Meine Wandererfahrungen lagen Jahre, ja Jahrzehnte zurück und beschränkten sich auf den Thüringer Wald und die Sächsische Schweiz. Ausrüstung? Wie halt blauäugige Anfänger sind, Sportschuhe, Rucksäckchen, Kompass und Karte.


2006 - Ortswechsel.

Paria Contact Station – Paria Contact Station.

Weit vor der Öffnungszeit waren wir vor Ort und keine Menschenseele zu sehen. Die Öffnungszeit rückte näher, der Parkplatz vor der Paria Contact Station füllte sich moderat und unser Puls bewegte sich so langsam von der Normalfrequenz  weg. Die ‘Heilige Halle’ wurde geöffnet, wir trugen uns für die Verlosung für ‘The Wave’ ein und erwarteten  sehnlichst 09:00 Uhr, den Start der Verlosung. Pünktlich zurzeit setzte der Ranger seinen ‘Hamsterkäfig’  in Bewegung – die Verlosung begann und das Herz schlug uns bis zum Hals.
Endlich die Erlösung – an vierter Stelle wurden wir ausgelost. Langsam normalisierte sich unser Puls wieder.
Überglücklich mit Permit und der Wegbeschreibung vom Bureau of Land Management (BLM), damals noch eine recht miese bebilderte Schwarz-Weiß-Kopie der Wegpunkte, in der Hand verließen wir die Kontaktstation und fieberten den nächsten Tag unserer 1. Wave - Tour entgegen. Die Zeit bis dahin verkürzten wir mit einer Wanderung zu den Toadstool Hoodoos, die uns begeisterten.

Der Wave-Tag.

Vom Wire Pass Trailhead, damals noch am Coyote Wash, starteten wir in Richtung Trailhead Register, folgten dem Verlauf des Weges, machten im Wash fälschlicherweise einen Abstecher nach Westen (High Heel Arch) und folgten dem Wash – irgendwo muß doch der Aufstieg sein, aber nichts als Steilwände. Also zurück.

Glückstreffer Nr. 1. Eine Gruppe Wanderer kam uns entgegen – der  Aufstieg war gefunden. Oben angekommen – wo sind die Twin Buttes? Unsere urbanverwöhnten Augen hatten Mühe, sich im Gelände zu orientieren und die Kopien vom BLM keine wirkliche Hilfe. Wir irrten noch eine Weile nordöstlich der Twin Buttes herum.

Glückstreffer Nr. 2. Plötzlich sah ich im Osten paar Leute im Gänsemarsch. Ein Blick auf unser ‘Kartenmaterial’ – dort müssen sie sein, die Twin Buttes. An den ‘Twins’ angekommen – erstmal Rast. Die Sonne meinte es an diesem Tag besonders gut mit uns. Endlich auch Zeit, den Blick umherschweifen zu lassen, um diese wunderschöne Landschaft zu genießen. So langsam hat sich das Auge an die Natur gewöhnt, also weiter laut ‘Karte’ in Richtung Crack. Die Sonne hatte ihren Zenit erreicht und alles gleißte in den Augen. Auf dem kleinen Plateau vor dem Sand Cove Wash angekommen – wo geht´s zur Wave!! Mir fielen die Worte des Rangers ein, daß es Leute gab, die zwar einen gültigen Permit hatten, aber die ‘Wave’ nie gefunden haben – nur das nicht!
Hier kommt das Sprichwort: ‘Aller guten Dinge sind Drei!’ zum Einsatz.

Glückstreffer Nr. 3. Wir begegneten einem älteren, deutschen Pärchen, das wir am Vortag in der Paria Contact Station kennenlernten. Sie wiesen uns den Weg – unsere Rettung. In der ‘Wave’ angekommen, ab in den Schatten, der im Westteil zu finden war und ausgiebige Rast. Langsam kehrten die Kräfte zurück und einer Erkundung stand nichts mehr im Weg.
Wow – was für ein atemberaubendes Stück Erde hat Mutter Natur geschaffen! Überglücklich und zufrieden traten wir ohne Komplikationen den Rückweg an und beschlossen, das war bestimmt nicht das letzte Mal – hierher kehren wir zurück!

Warum nun gerade diese Wave – Beschreibung?
Aus den Anfangsfehlern haben wir gelernt. Blauäugiges Wandern in der Wilderness - … mal eben schnell dorthin – bringt nichts, im Gegenteil.

Unsere Ausrüstung haben wir stetig verbessert: Wanderstiefel, geeignete Kleidung und Kopfbedeckung, Wanderstöcke (helfen in sandigen Passagen ungemein) so auch ‘richtige’ Rucksäcke sind ein Muß.
Das Kartenmaterial entstammt aus DeLorme´s Topo USA 8, bzw. Topo North America 9.0.
GPS-Units: anfänglich PDA mit Topo USA 6 und BT–Mouse, DeLorme´s PN-20 und Topo USA 8 - heute DeLorme´s PN-60 W mit SPOT Satellite Communicator und Topo North America 10.

Eine detaillierte Vorplanung ist interessant, bereitet uns Vorfreude auf die kommenden Ziele und spart vor Ort viel Zeit.

Resümee:

Wir haben an den nachfolgenden Gebieten einen ‘Narren gefressen’ – das Virus Southwest hat uns in seinem Bann gezogen.

 

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